Familienfeste

Halle Feier

Ich hab mal einen schönen Film gesehen: Das Fest, passt aber eigentlich nicht zu dem Fest das ich erlebte.

Im Voraus möchte allen Sippenmitgliedern sagen das der folgende Text keine Kritik an der Feier ist sondern nur eine Möglichkeit diese charmant zu verarbeiten. Kurz gesagt ich fand den Nachmittag außergewöhnlich, fühlte mich wohl und bin froh dort gewesen zu sein.

Moment muss mal kurz Luft unter die Griesklößchen heben.

Fast pünktlich 15.00 Uhr an der Lokalität eingetroffen schob ich mich nach kurzem Gerangel in die Polposition der verfügbaren Parklücken. Sportgaststätte in Halle am Kurt-Wabbel-Stadion, nicht schlecht. Netter Vorraum ausgestattet mit einer großen Landkarte Australiens die später noch genauer betrachten sollte. Nach einigem Shake-Hands orientiere ich mich mittels Namenkärtchen zum meinem Sitzplatz. Ich hatte nun Zeit die Räumlichkeit zu analysieren. Die Tapete hatte bis auf die frischen 4m² für den nachinstallieren Projektor für die Fußball-WM schon ganz schön unter Kettenrauchern gelitten. Nach kurzen Danksagungen begann das übliche Prozedere. Eine gut füllige Dame machte die Runde und schenkte Kaffee ein, das schien sie so anzustrengen, dass sie bereits nach der halben Bagage ihre Schweißperlen wegswiffern musste. Ich war froh sie wieder in trockenen Tüchern zu sehen und meinen Kaffee bereits in der ersten Runde bekommen zu haben. Über Sekt und Kuchen und einem kurzem Ausflug zur Überprüfung einer Firmenalarmanlage wurde die Zeit zu den eigentlichen alkoholischen Getränken überbrückt. Da mir kein Getränkekatalog angeboten wurde, fragte ich nach: „Was haben Sie denn für Rotwein im Angebot?“. Die Antwort kam einfach und prompt: „Trocken, Halbtrocken, Süß!“. Ich dachte eher an Sorten, aber was soll das, schnell entschied ich mich für Halbtrocken. Es war besser als ich erwartete.
Zwischen den Gesprächen versuchte ich immer wieder Flecken von der Tischdecke zu kratzen, welche sich dann aber als Brandlöcher erwiesen, ein Teufelskreis. Man kommt davon einfach nicht los, es ist wie das jucken eines Mückenstichs.
Die Familie präsentierte die für sie inzwischen typischen und auch von allen erwarteten Spielereien im Rahmen der Übergabe der Geschenke. Nette Wanderburschen sprangen durch die Schenke und spielten Melodien von Wanderliedern, welche erraten werden sollten.
Inzwischen wurde füllte sich nicht nur das Abendbuffet mit Speisen, nein es kam auch ein Horde betagter Fußballgötter und füllten die andere Hälfte des Saales. Endlich gab es Fisch, Kassler und Sauerkraut, alle weiteren Köstlichkeiten behalte ich für mich.
Aber es kamen nicht nur Speisen und Möchte-gern-Bundestrainer, es kamen auch der Alleinunterhalter und seine Frau. Seine Frau war ein ausdauerndes Wesen, welches geduldig vorm Fernseher die Show abwartete. Respekt muss ich sagen. Zurück zu ihrem Gatten. Zuerst verneige ich mich vor der Leistung in seinem Alter, was ich auf ca. 60-70 schätze. Er spielte Keyboard und sang später noch dazu. Das Keyboard muss in einer Art Hammond-Orgel Modus gelaufen sein, denn anfänglich hatte ich Spaß am Helge Schneider Style. Doch zu späterer Stunden durchdrang mich dieser Sound auf Mark und Bein. Hammer, Amboss und Steigbügel meiner Ohren schlugen quasi direkt auf die Synapsen. Ich stellte mich auf eine Nacht mit jeder Menge nachhallendem Echo meines Schädels ein.
Infolgedessen bestellte ich ein paar Fosters um sie vor der Australienlandkarte im Schoße der engen Familienangehörigen in Gedanken schwelgend zu genießen. Nicht mehr lange.

Vielen Dank für die Feier.

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