Glück in der U-Bahn

Ich hocke müde und entnervt in der U-Bahn und bekomme einen glücklichen Moment geschenkt. Weiß sonst wer (nicht Gott), wie ich das verdient hab. Wir stehen an der Haltestelle Berliner Tor und ich höre auf das obligatorische „tuut, tuut, tuut“, das die Leute dran erinnert, dass es heute noch weiter geht. Da fällt der Blick auf die Treppe im Bahnsteig, wo ich eine Frau runterstürzen sehe. Also sie stürzt nicht wirklich, sie schleudert ihre Gebeine in Windeseile nach unten. Inzwischen beginnen sich die Türen zu schließen, ja ich mache hier absichtlich einen kleinen Spannungsbogen. Wir machen jetzt einen kurzen Ausflug in die komplizierten verstrickten Gedankenzüge meines Gehirns, welche besagen: „Das wird knapp“.

Aufatmen.

Kurz bevor es knapp wird, rammt sich die gute Frau das innere der Bahn. Sie steht mir fast gegenüber und tropft fast vor Glück (das wollen wir mal nicht falsch interpretieren). Sie fixiert mich bis zum „get no“ ist voll am strahlen, öffnet schon den Mund und ich glaube will mir sagen – Stopp denk ich mir, so einfach ist das nicht meine Dame, jetzt nur nicht in ein Gespräch verwickeln lassen. Ich drehe bei und werfe den Blick zurück in meine Zeitung und denke, soll sie doch wen anders mit ihrem tollen ich-habs-eben-grade-noch-in-die-U-Bahn-geschafft Erlebnis nerven.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. wieder einmal ein prachtstück lyrischer wortkunst 🙂 an dir ist echt ein kurzgeschichten erzähler verloren gegangen. weiter so alter….sehr lustig!

  2. Au ja… hab mir erstmal nen Bein ausgefreut als ich feststellen durfte, dass zusätzlich zu dem neuen Outfit auch noch neue Anekdoten aufgeboten werden… molto bene…

  3. Zusatz…

    man könnte meinen, nein ich bin sogar fest davon überzeugt, Markus ist, durch seine Kollumnen, die Carrie Bradshaw der DDR und die Großstadtcrazyness ist sein persönlicher Mr. Big 😉

    Zu erwähnen wäre an dieser Stelle noch, dass ich definitiv kein SATC-Sympatisant bin…